Unser Gartenkind „Horst“

Berufsbedingt vergeht kein Jahr, in dem wir keine tierischen Gäste haben, die wir aufziehen, gesund pflegen und auf ein Leben in Freiheit vorbereiten, um sie später wieder auszuwildern.
Dieses Jahr ist es u.a. „Horst“ – ein Mäusebussard. Und da diese immer auf ihrem Horst sitzen, heißt unser kleiner Bussard „Horst“.

P1030046„Horst“ ist sehr früh dieses Jahr geboren. Etwa ein bis zwei Monate vor der typischen Zeit der Bussarde und somit direkt ins nass-kalte Wetter hinein. Als Passanten ihn fanden, war sein Geschwisterchen bereits tot.

Er war schon sehr geschwächt, hat sich aber nach ein paar Tagen Wärme und Infusionen so gut erholt, dass er raus in den Garten ziehen konnte.

P1040037Wir haben ihn per „Freiflugmethode“ aufgezogen, statt in der Voliere. Kein ungefährliches Unterfangen, denn die Gefahr der Fehlprägung auf den Menschen ist so noch viel größer.

„Horst“ saß in einem Korb draußen im Garten, seinem Horst (so wird das Nest von Greifvögeln genannt).
Wir sind immer nur zum Füttern hin und haben ihn sonst in Ruhe gelassen. Dennoch ist er recht zutraulich geworden. Sobald er fliegen konnte, flog er uns morgens entgegen oder wartete bereits vor unserem Küchenfenster auf sein Frühstück.

Bild 549Der erste Schreck kam für uns schon nach wenigen Tagen nach den ersten Flugversuchen. „Horst“ saß plötzlich in 30 m Höhe in einer Linde auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ich hatte das Gefühl, dass er sich nicht mehr runter traute, doch alles Locken half nichts. So verbrachte er seine erste Nacht außerhalb seines Nests.

Am nächsten Morgen saß er zum Glück wie gewohnt in unserem Garten. Der Baum gefiel ihm aber wohl so gut, dass dieser sein neuer fester Schlafplatz wurde.

Von Tag zu Tag wurden seine Ausflüge länger. Sogar einen Bussardfreund brachte er schon einmal mit. Wo er sich rumtreibt wissen wir nicht. Nur manchmal sehen wir ihn auf den Zaunpfählen der benachbarten Pferdekoppel nach Wühlmäusen spähen.

Inzwischen holt er sich nur noch morgens sein Frühstück bei uns ab und verschwindet dann wieder. Da er uns bei dieser Gelegenheit auch gleich noch sein Gewölle vor unser Küchenfenster spuckt, können wir erkennen, dass er anscheinend schon in der Lage ist, sich sein Futter selbst zu fangen.

Unser „Kind“ ist gut gelungen und wir sind uns sicher, dass er sich bald endgültig von uns verabschieden wird.
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Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist echt klasse. Kaum zu glauben, wie gut euch das gelungen ist. Ich hätte echt nicht gedacht, dass sich Bussarde so erfolgreich aufziehen lassen. Würde einiges dafür geben, jeden Morgen in unserem Garten einen Bussard hocken zu sehen 🙂
    Was bedeutet „Freiluftmethode“?
    Wir hatten vor einiger Zeit ein Küken im Garten herumlaufen, aus Sorge, dass unser Geruch die Mutter abschrecken würde, haben wir es nur in einen Korb gelegt und etwas Futter dazu. Was wäre in so einem Fall richtig gewesen?

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    • Man kann einen Vogel entweder in einer Voliere o.ä. aufziehen und ihn dann auswildern oder eben über die “Freiflugmethode”. Voliere ist am einfachsten, aber auch ein bisschen gemein, denn irgendwann kommt doch der Tag, an dem du den Vogel ins kalte Wasser schmeißt und ihn holterdipolter mit der Welt außerhalb der Gitter konfrontierst.

      Mit der Freiflugmethode ahmst damit eine natürliche Aufzucht nach. In der Natur sitzt ein Jungvogel im Nest und wird dort von den Eltern versorgt. Irgendwann verlässt er dieses für erste Ausflüge, hält sich aber noch in der näheren Umgebung auf und wird noch weiter von seinen Eltern gefüttert. So wird er nach und nach selbstständig.

      “Horst” hatte seinen Korb bei uns im Garten stehen und konnte so selbst entscheiden, wie schnell er selbstständig wird.

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    • Was war das für ein Küken? Eine Amsel vielleicht?
      Fast alle Gartenvögel werden nach etwa zwei Wochen flügge und haben dann noch so eine Art „Hüpfphase“. Das heißt, sie hüpfen in der Nähe des Nestes rum – mehr oder weniger flugfähig – und werden noch weiter von den Eltern versorgt. Man kann sie ruhigen Gewissens rumhüpfen lassen.
      Wenn man Ihnen etwas Gutes tun möchte, schafft man ihnen die Katzen der Umgebung vom Hals, denn die sind für die jungen Vögel die größte Gefahr.

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      • Könnte gut eine Amsel gewesen sein, genau weiß ich es leider nicht mehr. Die Nacht über konnten wir die streunenden Katzen leider nicht im Blick behalten… Danach haben wir das Küken aber auch nicht mehr gesehen.

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  2. Wahnsinn! Das ist ja mal was echt besonderes und ich habe noch nie davon gehört, dass Leute ein Bussart-Kind aufgezogen haben! Finde ich super toll! Lieber Gruß vom Garten Fräulein Silvia

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  3. Oh mein Gott, das erste Bild ist ja knuffig.
    Ich find es total klasse, wenn Auswilderungen und Aufzuchten klappen. <3
    Stimmt, du bist ja echt (fast) eine Nachbarin. 😉

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  4. Super Sache, Die meisten hätten wahrscheinlich nichts getan und den kleinen verenden lassen. Auch die Bilder sind super

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